Thor, Röskva und Thjalfi

Thor, Röskva und Thjalfi Auf einer seiner zahllosen Reisen nach Jötunheim sah sich Thor dazu gezwungen, bei einem Gehöft in Midgard sein Nachtlager aufzuschlagen. Die Familie fühlte ich geehrt, kommt es doch nicht alle Tage vor, dass der Donnergott höchstpersönlich das Gastrecht einfacher Menschen erbittet. Als Dank für die freundliche Aufnahme ging Thor in den Stall, wo seine beiden Böcke bereits eingestellt waren und schlachtete einen von ihnen, um der Bauernfamilie ein festliches Abendessen zu spendieren, da er nicht beabsichtigte, ihre Gutmütigkeit überzustrapazieren. Wahrscheinlich war es Loki, Thors Gefährte auf der Reise, der die beiden Kinder Röskva und Thjalfi dazu brachte, einen Knochen zu zerbrechen, um an das schmackhafte Mark zu kommen. Angestiftet vom Gott der Zwietracht, zogen sie sich in eine dunklere Ecke der spärlich beleuchteten Stube zurück und alles Weitere geschah außerhalb des Sichtfeldes der restlichen Anwesenden.
Als die Morgensonne ihre ersten Strahlen durch die kleinen Fenster der Hütte warf, erwachten die Familie und Loki durch einen donnernden Schrei. Thor war bereits zeitiger aufgestanden und in den Stall gegangen, um seine zwei Böcke zu begutachten. Beide standen wohl lebendig vor im, wie es zu erwarten war, denn ein starker Zauber ermöglicht es ihnen, den Tod des Vortages ungeschehen zu machen und in alter Pracht in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Thor schrie, weil eines seiner Tiere einen gebrochenen Lauf hatte. Mit hochrotem Kopf, brüllend und wild um sich fuchtelnd stürzte er in das Bauernhaus und blickte in die verschreckten Gesichter der Menschen. Die Schuldigen waren schnell gefunden und in seinem Jähzorn war der Donnergott schon kurz davor, dem hilflosen Bauern als Strafe für seine frechen Bälger eines mit seinem Hammer überzubraten, besann sich aber gerade noch rechtzeitig, da er ja eigentlich der Beschützer jener Menschen ist und verlangte stattdessen, die beiden Kinder Röskva und Thjalfi als seine Diener mit nach Asgard zu nehmen. Dankbar aber traurig willigten die Eltern ein und versprachen, sich bis zu ihrem nächsten Besuch um die Gesundheit der Tiere zu kümmern. Die Böcke blieben zurück, die Kinder kamen mit und schon ging es weiter in Richtung Utgard.